Methode und Vorgehen
1. Dialektalitätsmessung
Zur Untersuchung der phonologischen Ebene wird in Hamburg das Verfahren der Dialektalitäts- bzw. Abstandsmessung (nach Herrgen und Schmidt) angewendet. Mit diesem Verfahren wird der phonetische Abstand einer Sprachprobe zur hochdeutschen Standardsprache gemessen. Die Ergebnisse geben Auskunft darüber, in welchem Maße die Standardsprache der Gewährsfrauen regional beeinflusst ist und von welcher Art die Einflüsse sind. Die Ergebnisse der Variablenanalyse, die von den Standorten Kiel und Frankfurt durchgeführt wird, ergänzen die Erkenntnisse über das individuelle Sprechen der Gewährsfrauen im Bereich der Phonologie.
2. Annotation Interferenzen
Die Ebenen der Lexik, Morphologie und Syntax werden zunächst mit Hilfe einer Interferenzanalyse untersucht. Bei diesem Verfahren werden in den hochdeutschen Settings (Interview, ggf. Tischgespräch) die niederdeutschen Interferenzen annotiert und in den niederdeutschen Settings (ggf. Tischgespräch, Erzählung, Wenkersätze) hochdeutsche Interferenzen. So können sowohl individuelle Mischungen als auch die wechselseitigen Einflüsse der beiden Sprachsysteme aufeinander untersucht werden.
Unter den Begriff der Interferenz fallen durch Sprachkontakt bewirkte Phänomene bzw. Abweichungen im Sprachgebrauch oder Sprachsystem. Es lassen sich zum Beispiel Übernahmen aus dem Niederdeutschen in das Hochdeutsche finden:
„Ich schnacke mit ihr.“ [lexikalische Übernahme]
„Da nicht für!“ [Trennung des Pronominaladverbs „dafür“]
Umgekehrt können auch hochdeutsche Strukturen oder Wörter im Niederdeutschen etabliert werden:
„Dat is ‘n beten schwierig“ [lexikalische Übernahme, Alternativen für „schwierig“ wären beispielsweise „swoor“ oder „vertrackt“]
3. Annotation Dialekttiefe
Zusätzlich zur Interferenzanalyse werden auch Annotationen vorgenommen, die einer Analyse der Dialekttiefe dienen sollen. Dadurch soll herausgefunden werden, wie stark der Dialekt einer Person von der Standardsprache abweicht. Denn auch innerhalb des Niederdeutschen gibt es Variationsspielräume, wie die unten stehenden Beispiele zeigen.

4. Annotation Isomorphien
Gleichzeitig werden auch isomorphe Formen annotiert. Darunter werden solche Lexeme verstanden, bei denen eine strukturelle Gleichheit vorliegt. Isomorphe Formen kommen also im Niederdeutschen und im Hochdeutschen vor und sind gleichlautend. Beispiele sind „so“, „womit“, „doch“, aber auch „Eier“, „Winter“ oder „klauen“. Sie können Aufschluss darüber geben, auf welche Art die Sprecherinnen Übergänge zwischen beiden Sprachsystemen realisieren.
5. Technische Umsetzung
Zur Annotation der Interferenzen, der Dialekttiefe und der Isomorphien wurde ein hierarchisch aufgebautes Tag-Set entwickelt. Nach diesem werden im EXMARaLDA Partitur Editor die Settings Interview, Tischgespräch, Dialekterzählung und Dialektübersetzung (Wenkersätze) annotiert.

Alle annotierten Phänomene lassen sich zur abschließenden Auswertung schließlich als Konkordanzen listenweise zusammenstellen.